Ist San Diego amerikanisch genug?

Wenn man sich San Diego auf den zahlreichen Fotos im Internet oder auch auf unserer Seite anguckt und sich nebenbei ein bisschen über die Ursprünge der Stadt informiert, dann mag man sich mit der Zeit vielleicht eine etwas seltsam klingende Frage stellen: Ist San Diego eigentlich amerikanisch genug? Das klingt merkwürdig, ist aber durchaus berechtigt, denn natürlich sieht die Stadt nicht unbedingt wie eine typische US-amerikanische Stadt im Stile von New York oder Chicago aus, nicht einmal wie Los Angeles oder Seattle. Das Stadtbild ist vielmehr von diesem spanisch-mexikanischen Stil geprägt, den man vor allem im Balboa Park vorfindet, aber auch drumherum merkt man recht stark, dass sich die Grenze zu Mexiko nicht weit entfernt befindet.

Das muss natürlich kein Problem darstellen, schließlich ist auch dieser Baustil sehr sehenswert, doch auf einer gewissenen Ebene ist es nachvollziehbar, dass man auf einer Rundreise durch die USA auch in erster Linie mal Städte sehen will, die typisch amerikanisch aussehen, also von Hochhäusern geprägt sind. Auf der anderen Seite sollte man sich allerdings die Frage stellen, was eigentlich typisch USA bedeutet: Schließlich sind fast alle heutigen Bewohner der Landes ehemalige Einwanderer aus Europa, Afrika oder Asien, es gibt also kaum diesen einen US-Stil, wie man ihn vor allem an der Ostküste aber auch in Teilen der Westküste stark vorfindet, sondern eine recht bunte Mischung aus Baustilen.

Hinzu kommt, dass dieser Baustil in San Diego natürlich historisch begründete ist, eben weil die Grenze zu Mexiko so nah ist, die Stadt zwischenzeitlich sogar mal zu Mexiko gehörte und die Herkunft (wie so oft übrigens im Rahmen einer Mission entstanden) nun einmal spanische Wurzeln hat. Ist es auf einer gewissen Ebene nicht sogar interessanter, wenn eine Stadt ganz anders aussieht als man es von ihrem Land gewöhnt ist? Und ist es nicht die Historie, die Geschichte, die wir so oft in an anderen US-Städten vermissen, die uns hier dafür im Gegenzug förmlich ins Gesicht schlägt?

Brunnen Balboa

Darüber sollte man zumindest nachdenken, allerdings auch nicht den Fehler machen zu glauben, dass San Diego nicht amerikanisch wäre oder gar die komplette Stadt so aussehen würde wie der Balboa Park – wir sind hier ja nicht in Santa Fe, wo tatsächlich sämtliche Gebäude im gleichen Stil (dort im Adobe Stil) erbaut wurde. Vielmehr ist es so, dass sich hier eine Mischung verschiedenster Einflüsse findet, wozu aber auch das „typisch Amerikanische“ zählt: In Downtown trifft man auf das ein oder andere Hochhaus, Fast Food Ketten sind reichlich vertreten und nicht zuletzt die Konsumkultur wird auch hier nicht vermisst, findet man in der unmittelbaren Umgebung doch mehrere Outlets und vor allem die typischen Big Box Stores entlang der Freeways.

Wer einen Walmart, einen Kroger oder einen Target sucht, wer einmal groß und günstig einkaufen will, der wird auch in dieser Stadt fündig werden. Genauso, wenn man bei In-N-Out, Wendy’s oder sonstwo essen will. Man findet hier all das, was man auch in Los Angeles oder Seattle findet, aber eben nicht nur das, sondern sogar ein bissche mehr. Das sollte man als etwas Positives betrachten und somit die Frage im Titel wie folgt beantworten: Ja, San Diego ist amerikanisch genug, aber es ist nicht nur amerikanisch, sondern bunter, lebensfroher, abwechslungsreicher, ein bisschen schöner ganz einfach!